Innere Führung

Jeder Mensch braucht innere Führung. Und um innere Führung zu haben, braucht es den Zugang zur weisen inneren Stimme. In meiner Arbeit sehe ich immer wieder, dass Menschen ohne innere Führung zu Wesen werden, die sich ausschliesslich nach aussen orientieren und dem ausgeliefert sind, was sie in ihrer Not als Orientierungspunkt akzeptiert haben. Das schwächt sie auf vielfältige Weise. Zum Beispiel führt es zu übersteigerter Anpassung. Einem Menschen, der sich zu sehr anpasst, ist sehr bewusst, was seine Umgebung, die Eltern, die Lehrerinnen, der Chef, die Partnerin oder der Partner, Freunde und die Gesellschaft mit ihren Trends von ihm erwarten, und er versucht stets, deren Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei unterdrückt er seine eigenen Bedürfnisse, seinen eigenen Lebensrhythmus, seine eigene Natur, seine ureigene Art, seinen Beitrag an die Welt zu tun. In der übermässigen Anpassung funktioniert der Mensch nach aussen hin zwar gut, er ist aber nicht wirklich lebendig und somit geschwächt, was früher oder später seiner körperlichen und seelischen Gesundheit schadet.

Eine andere Reaktion auf das Fehlen der inneren Führung ist ein andauernder Widerstand. Eine Person spürt unbewusst, dass sie nicht fremdbestimmt werden will. Da sie aber keinen Zugang zur inneren Führung kennt, die ihr den eigenen Weg zeigen könnte, kämpft sie gegen alles, was von aussen an sie herangetragen wird. Sie lässt sich nicht helfen, wird vielleicht zur Rebellin, vielleicht zur Aussenseiterin, vielleicht zur Extremistin, oder sie landet, weil sie sich nirgends einfügen will und sich nicht anpassen kann, auf der Strasse. Personen mit andauerndem Widerstand gegen alles, was von aussen kommt, haben ihre ganze Aufmerksamkeit im Aussen, bei dem, was sie bekämpfen, negativ bewerten oder zumindest von sich fernzuhalten versuchen. Diese Personen sind meist nur offen für meine Arbeit, weil die Antworten nicht von mir, sondern aus ihrer ureigenen Tiefe kommen. Zudem dürfen sie Impulse von aussen stets auf Stimmigkeit im Innern überprüfen.

Eine dritte Reaktion, die ich bei Menschen beobachte, denen die innere Führung fehlt, betrifft oft Personen, die schon früh im Leben erlebt haben, dass es in ihrer Welt kein Verständnis für ihre authentische Natur und ihre innere Stimme gibt. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass es nur zwei Arten von Menschen gibt: jene, die bestimmen, und andere, über die bestimmt wird. Und sie setzen alles daran, um auf der Seite der Bestimmenden zu stehen. Auch sie haben ihre Aufmerksamkeit ausschliesslich im Aussen, und zwar mit der Absicht, ihre Umgebung so zu formen, dass sie ihren Vorstellungen entspricht – manchmal ohne Rücksicht auf Verluste. Oft ist es eine Liebesbeziehung, die diese Menschen zu mir führt. Die Liebe scheint also die Kraft zu haben, den Wunsch nach echter Verbindung zuerst zu sich und dann auch zu anderen Menschen wieder möglich zu machen.

Ein Mensch, der lernen darf, die weise innere Stimme wahrzunehmen, sie zu hören, zu fühlen oder als Vision zu empfangen, ist mit sich selbst, seiner Natur, seinem Wesen, seiner Seele, seinen Bedürfnissen, seinen Gefühlen und mit der Welt um sich herum gleichermassen verbunden. Er kann Rücksicht nehmen und sich anpassen, wenn es dem friedvollen Zusammenleben, einer sinnvollen Aufgabe oder der Gemeinschaft dient, ohne dabei sich selbst aufzugeben. Menschen, die mit ihrer inneren Führung verbunden sind, sehen das Aussen nicht als Bedrohung, die es zu bekämpfen gilt, sondern als Umgebung, mit der gemeinsame Visionen und Ziele erschaffen werden können. Menschen, die Zugang zu ihrer weisen inneren Stimme haben, respektieren, dass jeder Mensch eine eigene weise innere Stimme hat, die ihn führt und leitet. In diesem Bewusstsein versuchen sie, diese innere Orientierung niemandem abzusprechen, sondern sie zu fördern.

Wer Zugang zu seiner weisen inneren Stimme und zugleich genügend Mut, Begleitung und Unterstützung hat, um ihr zu vertrauen, erlebt Klarheit, Orientierung, Selbstbestimmung, Vertrauen, Erfüllung, Entspannung, Freude, Kraft und Verbundenheit. Kurz: Führung, die von innen kommt. Das kommt seiner Gesundheit und der Gesundheit seiner Umgebung zugute. Es ist wichtig, die weise innere Stimme von konditionierten Stimmen im Kopf, von Glaubenssätzen, von nicht verarbeiteten emotionalen Mustern und den Bedürfnissen des inneren Kindes zu unterscheiden. Um Zugang zur weisen inneren Stimme zu bekommen, braucht es Entspannung, das Spüren des eigenen Körpers, das Stillwerden des Geistes, die Ausdehnung des Bewusstseins und die Aktivierung aller Arten von Wissen: Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Imagination.

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