Lieben geht nicht im Kopf

Manchmal ist das Denken allein einfach überfordert, und wir glauben dann, dass WIR überfordert sind. Als Einzelperson oder als Gesellschaft. Darum ist es hilfreich, ein Denken zu üben, das mit dem Herzen verbunden ist. Konkret bedeutet das, damit aufzuhören, die ganze Energie dem logisch-linearen Denken zu geben und dieses so sehr zu belasten und zu erschöpfen, bis es sich nur noch im Kreis dreht und nicht mehr weiss, was richtig und was falsch ist. Dazu gehört auch, damit aufzuhören, das Denken in starren Glaubensmustern gefangen zu halten – wie ein Tier im Käfig, das auf und ab geht und irgendwann wütend oder traurig sein freies Wesen und seine Kraft verliert.

Stattdessen dürfen wir uns mehr der Kraft und der Weisheit des Herzens zuwenden. Das Herz ist das Energiezentrum der Liebe, das Organ der Verbundenheit, des Verstehens, des Mitgefühls und des Lebens. Die Kraft des Herzens kann das logisch-lineare Denken entlasten, es aus seiner Enge befreien, neue Perspektiven aufzeigen und zu neuer Klarheit verhelfen. Gerade in der heutigen Zeit, in der das logisch-lineare Denken teilweise von der KI übernommen werden kann, dürfen wir uns umso mehr der Kraft des Herzens zuwenden. Denn dort können wir das, was die KI nicht kann: fühlen! Wir können fühlen, was stimmig ist und was nicht. Mit der Aufmerksamkeit beim Herzen können wir lernen, was uns Freude macht, was unser inneres Feuer entfacht, was uns Energie gibt und wo wir diese hingeben wollen. Die Weisheit des Herzens ermöglicht uns weitere Perspektiven und zeigt uns, wie wir wirklich lieben können.

Stimmigkeit hat nichts mit angenehm oder unangenehm zu tun. Stimmigkeit ist tiefer, wahrer. Es kann zum Beispiel sehr stimmig sein, etwas Unangenehmes anzusprechen, während es nicht stimmig ist, weiter auf dem Handy herumzudrücken, obwohl es vielleicht gerade sehr angenehm ist, so ein bisschen zu scrollen. Aktiv zu werden oder still, um das Herz danach zu fragen, was mich jetzt am meisten begeistern würde, braucht oft Energie und Überwindung, ist aber gleichzeitig etwas, das sich oft stimmig anfühlt. Wenn wir wissen wollen, was uns Freude macht – und ich meine nicht einfach nur Spass, sondern tiefe Freude, die der Frequenz des Friedens und der Dankbarkeit ähnelt und sehr heilsam ist –, brauchen wir das Fühlen. Wenn wir eine liebevolle Welt wollen – innerhalb der kleinen Welt, in der wir uns jeden Tag bewegen, aber auch in der grossen Welt, von der wir Teil sind – und wir unseren Platz in der Welt, unsere Mission, unseren ureigenen Beitrag an diese Welt entdecken wollen, dann brauchen wir die Kraft des Herzens. Lieben geht nicht im Kopf. Stimmigkeit und innere Ausrichtung sind Fähigkeiten, die viel mit dem Herzen zu tun haben. Das Herz erkennt Resonanz, Kohärenz, Harmonie und eben Stimmigkeit. Dem Herzen ist es egal, welche Hautfarbe du hast, wie viel Macht du besitzt, ob du jung oder alt, Frau, Mann oder einfach Mensch bist. Dem Herzen ist es wichtig, dass du zuhören, achtsam Raum geben, Spannungsfelder liebevoll halten und Andersartigkeit annehmen kannst. Dass du dich authentisch zeigen, lieben und vergeben, verletzlich, traurig, klar, ehrlich, lebendig, mutig und so richtig glücklich sein kannst.

Kurz vor Weihnachten kam eine Klientin zu mir, geplagt von einem inneren Spannungsfeld. Sie hatte grosse, unerfüllbare Erwartungen an das Weihnachtsfest bei ihren Eltern. Eine starke Sehnsucht nach Harmonie, Verbundenheit, Gesehen- und Verstanden-werden-wollen unterstützte diesen Teil. Ein anderer Teil wollte diese Erwartungen loslassen, sich entspannen, Verständnis zeigen, die Eltern und die Umstände so akzeptieren, wie sie sind. Die beiden Teile kämpften gegeneinander und bewarfen sich mit Argumenten, ohne dem anderen zuzuhören, sodass die Frau keine Ruhe mehr fand. Wir arbeiteten mit Tiefenimagination und lernten von ihrem Unterbewusstsein, dass sie sich als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest auf die Liebe in ihrem Herzen konzentrieren solle. Die Kraft des Herzens könne ihr dabei helfen, das bewertende Denken zu entspannen, ihre Eltern so anzunehmen, wie sie sind, und so zu einer harmonischeren Atmosphäre beitragen. Der innere Kampf kam zur Ruhe und die Klientin entspannte sich. Sie konnte viel mit den Bildern und Botschaften aus ihrem Unterbewusstsein anfangen, und auch mir wurde in diesem Moment einmal mehr bewusst, wie wichtig und hilfreich die Kraft des liebenden Herzens ist.

In Zeiten grosser Veränderungen braucht es die Stabilität des Herzens mehr denn je. Das bedeutet, dass wir dem Herzen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Wenn unser Herz Zuwendung bekommt, werden auch all unsere Herzenskräfte stärker: die Weisheit, die Verbundenheit, das Verstehen mit dem Herzen, die Klarheit, die innere Lebenskraft, die Liebe und ihre heilsame Kraft. Eine Meditation, in der die Aufmerksamkeit beim Herzen ist – bei der Energie und dem Bewusstsein, das du in der Herzregion wahrnehmen kannst –, ist eine der Möglichkeiten, um deine Herzenskraft besser kennenzulernen und mit ihr vertraut zu werden. Generell hilft Meditation dabei, das Denken zu entspannen und weiter zu werden. Eine andere Möglichkeit ist die Tiefenimagination. In einer Tiefenimaginationssitzung wirst du in eine tiefe Entspannung geführt. In diesem Zustand kann dein Unterbewusstsein deine Herzenergie in ein Bild umwandeln, damit du sie besser kennenlernen und eine Beziehung zu ihr aufbauen kannst. Es ist schon lange bekannt, dass es dem Menschen leichterfällt, eine Beziehung zu etwas aufzubauen, wenn es ein Bild davon gibt. Das gilt nicht nur für die Götter, sondern auch für alle Facetten, die uns ausmachen.

Eine sehr hilfreiche Übung für ein mit dem Herzen verbundenes Denken ist auch, wichtige Fragen nicht nur mit dem logisch-linearen Denken allein, sondern auch mit der Weisheit des Herzens zu beantworten. Frag dich: Und was meint mein Herz dazu? Konzentriere dich auf die Region des Herzens und sei bereit, eine Antwort zu empfangen. Am Anfang wirst du die Antworten vielleicht noch nicht so deutlich spüren, weil du die Sprache deines Herzens zuerst kennen und übersetzen lernen musst und deinen Wahrnehmungen, dem Fühlen und deinen inneren Bildern wieder vertrauen lernen darfst. Aber wie bei allem, was man regelmässig übt, fällt auch das mit der Zeit leichter.

Wenn das Denken nicht mehr vom Herzen getrennt ist, sondern mit ihm zusammenarbeiten kann, wird eine verlorene Verbindung wiederhergestellt. Wiederverbindung bedeutet immer auch Heilung. Das Denken ist weniger allein und weniger überfordert – vor allem, wenn es um Fragen geht, die das Fühlen betreffen. Wird das Gleichgewicht zwischen Kopf und Herz wiederhergestellt, ist das nicht nur für die einzelnen Personen, sondern für die ganze Weltgemeinschaft von Bedeutung. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass das vom Herzen getrennte Denken aus meiner Sicht eine erlernte Sache ist. Am besten würden wir von Anfang an lernen, dass Kopf und Herz zusammenarbeiten können. Ebenso der Kopf und das Bauchgefühl, der Kopf und die Kraft im Becken und in den Füssen, die uns den Boden geben – aber darüber schreibe ich im nächsten Blogbeitrag.

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